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Einen 6er-Takt dirigieren: 6/8, 6/4 und 3/2 ohne Verwirrung

24. Aug.
3 Min. Lesezeit

Wenn du die drei Grundfiguren kennst, also 2er, 3er und 4er, fehlt noch eine, die ich bewusst für einen eigenen Beitrag aufgehoben habe: der 6er. Der ist nämlich eine Extrawurst.

Der 6er ist der Einzige, der dich vor eine echte Entscheidung stellt. Nicht "wie schlage ich ihn", sondern "schlage ich ihn überhaupt als Sechser, oder ganz anders". Und genau da verheddern sich am Anfang die meisten. Hier räumen wir das auf, mit drei Fällen, die in der echten Chorliteratur ständig vorkommen: 6/8, 6/4 und 3/2.

Die eine Frage, die alles entscheidet

Bevor du auch nur eine Hand hebst, beantworte eine einzige Frage: Wie schnell ist das Stück, und kannst du die sechs Zählzeiten noch sinnvoll einzeln zeigen, oder werden sie zur Hektik?

Das ist die ganze Kunst beim 6er. Nicht die Figur, die Entscheidung davor.

Faustregel, die mir bis heute hilft: Wenn du eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs mitzählst und es sich anfühlt wie Treppensteigen im Sprint, dann schlägst du nicht sechs. Dann fasst du zusammen. Wenn es sich anfühlt wie ruhiges Gehen, darfst du jeden Schritt einzeln zeigen.

Und jetzt schauen wir uns die drei Fälle an, die dir real begegnen.

Fall 1: Der schnelle 6/8 wird ein grosser 2er

Der häufigste Fall: ein schneller 6/8. Denk an die meisten beschwingten Stücke in Sechsachtel, das läuft, das hüpft.

Hier schlägst du gar keine sechs. Du schlägst einen 2er. Genau die Figur aus dem letzten Beitrag: runter, rauf. Nur dass unter jedem deiner zwei Schläge drei kleine Zählzeiten stecken.

Runter ist eins und trägt die zwei und die drei mit. Rauf ist vier und trägt fünf und sechs. Zwei Schläge, sechs Zählzeiten. Der Chor spürt die Sechs, sieht aber nur zwei klare Punkte und kann atmen.

Der typische Anfängerfehler hier: aus lauter Gewissenhaftigkeit doch alle sechs einzeln schlagen, bei vollem Tempo. Dann sieht dein Arm aus wie ein Kolibri, und der Chor wird nervös statt sicher. Bei schnellem 6/8 gilt: weniger zeigen ist mehr führen.

Fall 2: Der langsame 6er wird ein 4er mit Verdopplung

Dasselbe Stück, aber langsam. Oder ein von Haus aus getragener 6/8, eine ruhige Pavane, etwas Breites. Jetzt wäre der grosse 2er zu grob, der Chor braucht mehr Halt zwischen den Schlägen.

Hier kommt die Figur, die ich am liebsten mag, weil sie clever ist: Du nimmst deinen normalen 4er und verdoppelst zwei Schläge. Die Eins wird zweimal geschlagen, die Drei wird zweimal geschlagen.

Schau, was da passiert: Statt sechs wild verteilter Punkte hast du wieder die vertraute 4er-Form, runter, innen, aussen, rauf. Nur dass du unten zweimal antippst und auf der Dritten auch. Sechs Zählzeiten, aber dein Arm bleibt in einer Figur, die du schon kennst.

Das ist der ganze Trick: Du erfindest keine neue Figur für den langsamen Sechser. Du leihst dir den 4er und gibst zwei Schlägen einen kleinen Zwilling. Dein Arm dankt es dir, und dein Chor sieht eine Form, die er lesen kann.

Fall 3: 6/4 und 3/2 sind dieselbe Lösung mit anderem Namen

Jetzt wird's fast entspannend. 6/4 und 3/2 klingen nach zwei neuen Baustellen, sind aber keine.

Ein 6/4 ist im Kern dasselbe wie ein langsamer Sechser: sechs Viertel, getragen, also dieselbe 4er-Figur mit verdoppelter Eins und Drei. Und ein 3/2 hat zwar drei Hauptschläge, aber wenn er breit fliesst, behandelst du ihn oft genau gleich, weil du die Halben unterteilen willst.

Lass dich von der Taktangabe nicht einschüchtern. 6/8, 6/4, 3/2 sind drei verschiedene Schreibweisen, aber an der Hand landen sie bei zwei Bewegungen, die du schon hast: dem grossen 2er für schnell, dem verdoppelten 4er für langsam. Die Frage ist nie die Zahl im Notenkopf. Die Frage ist: schnell oder langsam.

Der ganze 6er in einem Satz

Erst entscheiden, schnell oder langsam, dann die passende Figur ausleihen. Schnell heisst grosser 2er. Langsam heisst 4er mit verdoppelter Eins und Drei. 6/4 und 3/2 reihen sich beim langsamen Fall ein.

So übst du ohne Chor

Wie beim letzten Mal: Spiegel, Metronom, und dich selber aufnehmen. Beim 6er kommt ein Punkt dazu, der Gold wert ist: Sprich beim Schlagen die Zählzeiten laut mit. Eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs. Wenn dein Mund und deine Hand nicht zusammenpassen, hörst du es sofort, bevor es ein Chor sehen muss.

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Hol ihn dir, nimm dir dein nächstes Stück im Sechsertakt vor, und probier die zwei Figuren aus.

Falls du die drei Grundfiguren noch nicht sicher hast: Im Beitrag davor erkläre ich 2er, 3er und 4er von Grund auf. Der 6er baut darauf auf.

 
 
 

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