Diese 10 Fehler machen fast alle Chorleitenden – machst du sie auch?
- 5. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Ein ehrlicher Blick auf das, was in der Chorleitung schiefläuft, und was du konkret dagegen tun kannst.
Stell dir diese Situation vor: Du stehst vor deinem Chor, die Probe läuft, und irgendwie stimmt etwas nicht. Die Einsätze kommen versetzt. Der Klang ist unruhig. Du unterbrichst, erklärst, versuchst es nochmal.
Und trotzdem wirds nicht besser.
Das frustrierende daran: Es liegt meistens nicht am Chor.
Es liegt an kleinen, konkreten Dingen in der eigenen Chorleitung.
Dingen, die man oft gar nicht sieht, weil man mittendrin ist.
Dinge, die fast alle machen. Besonders am Anfang, aber auch nach Jahren.
Hier sind die zehn häufigsten.
1. Zu viel oder zu wenig Körperspannung
Der Chor liest deinen Körper, ständig und unbewusst. Hochgezogene Schultern, ein angespannter Kiefer, gehaltener Atem: Das überträgt sich direkt auf die Gruppe. Ein angespannter Chor singt angespannt.
Genauso problematisch ist das Gegenteil: schlaffe Haltung, fehlende Präsenz.
Das Signal an den Chor lautet dann: Ihr braucht keine Körperspannung.
Die richtige Körperspannung liegt dazwischen: aufrecht, geerdet, lebendig.
2. Unklare Handstellung und Armposition
Viele Chorleitende denken kaum darüber nach, wie sie die Hände halten.
Zu tiefe Arme, zu hoch, Handgelenke durchgestreckt, Finger zusammengepresst: das macht das Dirigierbild unlesbar.
Die Schlagebene sollte ungefähr auf Brusthöhe liegen. Die Hand offen, leicht gewölbt, weder schlaff noch starr.
Was hilft: einmal vor dem Spiegel dirigieren und ehrlich hinschauen.
3. Unklare Einsätze, Schlüsse und Übergänge
Der Auftakt ist die wichtigste Geste in der Chorleitung. Er trägt Tempo, Dynamik, Charakter und Atemimpuls, alles auf einmal. Wenn er unklar ist, kommen die Stimmen versetzt. Garantiert.
Und das Ende? Der Abschlag wird in vielen Proben nie explizit geübt. Dabei ist der letzte Ton das, was das Publikum am längsten hört.
4. Zu viel Bewegung
Große Armbewegungen fühlen sich ausdrucksstark an. Sind sie aber oft nicht. Der Chor reagiert auf Kontraste.
Wenn alles groß ist, ist nichts mehr groß.
Die Gruppe lernt, die Bewegungen zu ignorieren.
Ein ruhiges, klares Dirigierbild hat fast immer mehr Wirkung.
Weniger ist mehr, auch wenn es sich im ersten Moment unzureichend anfühlt.
5. Nicht wissen, was die zweite Hand macht
Mit beiden Händen parallel zu dirigieren ist keine schlechte Strategie, aber manchmal braucht man mehr.
Während die rechte Hand die Taktfigur schlägt, hat die linke Hand eine eigene Aufgabe: Dynamik zeigen, Phrasen formen, gezielte Einsätze geben, halten signalisieren.
Und: Sie darf auch ruhen.
Eine Hand, die ohne Sinn permanent aktiv ist, verliert ihre Wirkung.
6. Fehlender Blickkontakt
Wenn du in die Noten schaust, verlierst du den Kontakt zum Chor, sofort. Der Chor bemerkt es, auch wenn er es nicht benennen kann.
Direkter Blickkontakt schafft Verbindung. Und Verbindung ist das Fundament jeder Chorleitung.
Man sollte die Stücke so vorbereiten, dass man sie zumindest abschnittsweise auswendig dirigieren kann. Den Notenständer tiefer stellen. Somit ist es viel einfacher mit dem Chor in Kontakt zu sein.
7. Fehlende Vorbereitung
Was in der Probe passiert, hängt fast vollständig davon ab, was vorher passiert ist. Wer ohne Plan in die Probe geht, improvisiert, und verliert wertvolle Zeit.
Gute Vorbereitung braucht keine Stunden.
Drei Fragen reichen:
Was ist das Ziel heute?
Welche Stellen brauchen Arbeit?
In welcher Reihenfolge gehe ich vor?
8. Multitasking überfordert sich selbst
Chorleitung ist Multitasking: dirigieren, hören, korrigieren, planen, Kontakt halten, und das alles gleichzeitig.
Das klingt überwältigend.
Und am Anfang ist es das auch.
Der Fehler: alles gleichzeitig verbessern wollen.
Was hilft: Einzelnes isoliert üben. Einen Durchlauf nur auf den Blickkontakt achten. Einen nur auf die linke Hand. Nicht alles auf einmal.
9. Zu hoher Anspruch an sich selbst
Du darfst unsicher sein.
Du darfst Fehler machen.
Du darfst auch mal etwas nicht gehört haben.
Wer unter Druck dirigiert, dirigiert angespannt.
Wer angespannt dirigiert, dirigiert unklar.
Der Kreislauf schließt sich, und der Chor leidet darunter.
Schreib Dir nach jeder Probe drei Sätze auf:
Was hat gut funktioniert?
Was nicht?
Was probiere ich nächstes Mal anders?
Kein Selbsturteil. Nur Beobachtung.
10. Den Chor nicht wirklich hören
Das ist der folgenreichste Fehler, und der am wenigsten besprochene.
Wer so beschäftigt ist mit Technik, Noten und Nervosität, dass er den Klang des Chores kaum wirklich wahrnimmt, kann nicht auf ihn reagieren.
Aber Dirigieren ist kein Monolog.
Es ist ein Gespräch.
Baue in jeder Probe einen Moment ein, in dem man einfach nur hört.
Nicht analysiert.
Nicht plant.
Nur hört.
Was du jetzt tun kannst?
Lies die Liste nochmals durch und wähle einen einzigen Punkt.
Den, der dich am meisten betrifft.
Nicht alle auf einmal. Einen.
Und arbeite drei Proben lang bewusst daran.
Das klingt wenig. Aber es ist erstaunlich viel.
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